Angebotsseitige Subadditivität und nachfrageseitige Nicht-Rivalität
als die zwei Seiten ökonomischer Nicht-Rivalität

in: ORDO-Jahrbuch für die Ordnung
von Wirtschaft und Gesellschaft, 2006, Bd. 57, S. 209-240

Zusammenfassung

Seit Jahrzehnten herrscht in der Ökonomik die Paradoxie, daß Grenzkosten-Preise
zwar für optimal gehalten werden, in der Theorie Natürlicher Monopole und der
Kollektivgut-Theorie aber Fälle diskutiert werden, in denen es unmöglich ist,
diese Preise zu setzen. Anhand von Fernsehprogrammen als einem Beispiel für ein
Kollektivgut werden im Folgenden drei wesentliche Thesen entwickelt, die sowohl
für die Theorie Natürlicher Monopole als auch für die Kollektivgut-Theorie von
Bedeutung sind.

  1. Trotz unterschiedlicher Ausgangsprobleme beschäftigen sich die Theorie
    Natürlicher Monopole und die Kollektivgut-Theorie mit dem gleichen Phänomen
    der Rivalität, die der Isomorphie zwischen den Theorien bei der Regulierung/
    Finanzierung des Gutes entspringt. Das hier eingeführte Konzept der
    „ökonomischen Rivalität“ und die graphische Illustration einer normal
    verlaufenden Nachfrage nach dem Kollektivgut machen wichtige
    Konsequenzen dieser Isomorphie deutlich: Zum einen führt die Nicht-Rivalität
    im Konsum zum Entstehen eines Natürlichen Monopols, zum anderen können
    private Güter durch produktive Subadditivitäten zu kollektiven Gütern werden.
  2. Die in beiden Theorien herrschende Grenzkosten-Paradoxie ist lediglich ein
    Scheinwiderspruch, der sich mit Hilfe mikroökonomischer Überlegungen auflösen läßt.
  3. Gegenwärtig wird die Ökonomik, vor allem die Medienökonomik, von
    einer Grenzkostenpreis-Doktrin dominiert, die weder wohlfahrts- noch
    institutionenökonomisch nicht zu rechtfertigen ist.
Guido Schröder